Wir befinden uns an der Talstraße, am Platz des ehemaligen Michhäusle

Hier befindet sich die Stele Nr. 4

Thema A-Seite: Die Historische Ortsmitte / Milchhäusle / Friedenslinde
Thema B-Seite: Die Privilegien der Waldenser

 (Web-Schnellzugriff auf diese Stele: www.stele4.palmbach.org)


Die historische Palmbacher Ortsmitte

Dieser Platz war für viele Generationen der Palmbacher Ortsmittelpunkt. Hier wurden 1871 zum Gedenken an die Friedensfeier nach der Schlacht von Sedan im Deutsch-Französischen Krieg zwei Friedenslinden gepflanzt. Eine Linde ist heute noch vorhanden und markiert als Palmbacher Wahrzeichen den Ortsmittelpunkt.

Der offene Wetterbach floss früher vom Gewann Winterrot kommend durch die Ortsmitte, zwischen der ehemaligen Hauptstraße und der Nebenstraße. Hier standen früher zahlreiche Maulbeerbäume, die von den Waldensern in den ersten Jahren nach der Ansiedlung gepflanzt worden waren. Der Wetterbach wurde 1935 verdolt und ein Grünbereich angelegt.
Mit der Verordnung vom 6. Oktober 1806 wurde Palmbach badisch. Das ermöglichte es den Palmbachern, Land auf den Nachbargemarkungen zu kaufen und ihre Landwirtschaft auszuweiten. Die Vieh- und Milchwirtschaft expandierte und schuf in Palmbach einen bescheidenen Wohlstand.
Hier an dieser Stelle wurde dann später das Milchhäusle erbaut. Hier gaben die Bauern ihre Milch ab, außerdem konnten andere Milchprodukte gekauft werden.
Der Platz neben dem Milchhäusle war mit seiner Rundbank um die Linde über lange Jahrzehnte ein beliebter Treffpunkt und Aufenthaltsort.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts fand ein Strukturwandel in Palmbach statt. Dieser wurde durch die Eröffnung des Steinbruches Raviol sowie weiterer zwei Steinbrüche in Grünwettersbach gefördert. Viele Palmbacher Bauern konnten nun zusätzlich als Steinhauer arbeiten oder die gebrochenen Sandsteine in die benachbarten Städte abführen. Dies war für sie ein lohnender Zusatzverdienst. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts folgte eine Verschönerung des Ortsbildes durch den Bau zahlreicher öffentlicher und privater Gebäude. So wurden auch das neue Rathaus, die Kirche und das Pfarrhaus mit einheimischen Sandsteinen gebaut.


Heimatlied: Die Linde von Palmbach

Heimatlied Palmbach Linde 
Die Karlsruher Dichterin Toni Rothmund, die das Jubiläumsfest "250 Jahre La Balme" im Jahre 1951 miterlebte und das Dorf und seine Einwohner dabei kennenlernte, schrieb damals - bewegt von der einmaligen Geschichte der Gründung des Dorfes und begeistert von der Anmut und Pracht der blühenden Dorflinde - jene Verse, die bald - volkstümlich vertont von dem Kapellmeister des Badischen Staatstheaters Erich Sauerstein - zum Heimatlied der Palmbacher wurden. So wurde 1951 die heute 130 Jahre alte Linde, das liebliche Wahrzeichen unseres Ortes, besungen.

(Text aus Wettersbacher Heimatbuch)

-1-

Zu Palmbach an der Straße eine alte Linde träumt,
sie wiegt ihr Haupt im Winde von Blüten überschäumt.
Viel tausend Bienen summen und singen in der Luft
von Honig und von Liebe und süßem Lindenduft.

-2-

0 Linde längst vergangen sind, die dich hier gepflanzt,
die dir zu Füßen sangen und die um dich getanzt. -
Wie herrlich, dass du wieder in Duft und Blüten stehst,
und dass am Menschenjammer du nicht zu Grunde gehst.

-3-

0 Menschenkind zum Sterben ist's noch nicht an der Zeit,
muss meine Äste breiten ob euch und eurem Streit. -
Kommt her in meinen Frieden in stiller Abendluft
-vergesst, dass ihr vertrieben - ich schenk' euch meinen Duft.


Die Palmbacher Friedens-Linden wurde 1871 gepflanzt.

Als 1866 der Bruderkrieg gegen Österreich und 1870 der deutsch-französische Krieg ausbrach, durch welchen die Errichtung eines neuen deutschen Reiches ohne Österreich vorbereitet und herbeigeführt wurde, fühlten sich die ehemaligen Waldenser längst als Deutsche und waren auch bereit, für die deutsche Sache zu kämpfen. Die Zahl der Streiter aber, welche von Palmbach und Mutschelbach in den Krieg zogen, war sehr klein. 1866 stellte Palmbach nur einen ,,Kombattanten" namens Wilhelm Berger und Mutschelbach sechs. 1870 zogen drei Palmbacher, Wilhelm Berger, Karl Ludwig und Philipp Ludwig Jourdan, ins Feld. Alle drei kehrten unverletzt zurück. Wie in den anderen Orten, so gedachte man auch in Palmbach der treuen Soldaten in wöchentlichen Betstunden und war voll Freude und Stolz bei deren Rückkehr

Zur Erinnerung an die Friedensfeier wurden 1871, im Jahr nach der Schlacht von Sedan auch in Palmbach zwei Friedenslinden gepflanzt. Die eine davon ist inzwischen über 130 Jahre alt und ist zum Wahrzeichen des Dorfes geworden.

(Aus Wettersbacher Heimatbuch 1974)